
So,
eigentlich hatte ich ja vor, in die USA ohne Visum
einzureisen. Dann hätte ich automatisch mit
der Einreise ein Touristenvisum bekommen und hätte
dann 90 Tage Bleiberecht erhalten.
Tja leider habe ich dann herausgefunden, dass man
dann aber nur an dem Pförtner zur USA vorbei kommt, wenn man ihm ein Flugticket unter die Nase hält, welches
als Ziel weder Mexiko noch Kanada hat. Tja, und da
ich noch nicht genau weiß, wann ich zurück möchte,
musste ich mir also gezwungener Maßen ein Visum machen.
Also suche ich mir aus dem Internet die passende
Telefonnummer und nach einigen Minuten des in der
Warteschleife steckens spreche ich mit einem jüngeren Mann, der einen sympathisch-lustigen amerikanischen Akzent hat. Der gibt mir dann einen Termin für das
"Visum-Interview" in der US-Botschaft und nennt
mir die Dinge, die ich alle mitzubringen habe.
..Später dann erfahre ich, dass mich dieses Gespräch 25€ gekostet hat. Ganz toll!
Zu den Dingen, die ich vor dem Botschaftsbesuch zu
erledigen habe, gehört ein Bild von sich zu machen,
welches GANZ besonderen Anforderungen genügen muss.
Es muss 5 mal 5cm groß sein, mein Ohr muss zu sehen sein, ich muss in die Linse schaun, mein Kopf muss zwischen 2,5 und 3,5cm groß sein usw. usf.

Ich hab das dann mal dreist mit Mutti und Photoshop gelöst. Den Amis scheint das nichts ausgemacht zu haben.
Neuerdings muss jeder, der in die USA reisen möchte - egal wie lange - ein online-Formular ausfüllen, in welchem er dann sinnfreie Fragen beantworten muss, durch die er angibt, kein Terrorist, kein Nazi, kein Kommunist und auch kein Seuchenverpesteter zu sein. Speziell für das Visum muss jeder Einreisende ein ebenso tolles Formular ausdrucken, ausfüllen und zum Interview mitbringen. Dort hat man doch tatsächlich anzugeben, was die Eltern von Beruf machen, in welchen Ländern man schonmal wann war, welche Bildung man wann und wo genossen hat, welche Abschlüsse man hat und andere Informationen, die eigentlich niemanden zu Interessieren haben, wenn es darum geht, ob ich in ein Land einreisen darf.
Männer müssen dann sogar noch ein weiteres Formular ausfüllen und mitbrinen. Die Geistesfreiheit nimmt dort ganz bizarre Formen an. Hier muss man ausfüllen, welche Militärausbildung man erfahren hat, ob man Bio- oder Atomwaffen herstellen kann oder besonders gut in Chemie-Waffenkunde war. Besonders lustig fand ich die Felder unter diesen Fragen in welchen es hieß: "Erklären sie!".
Mir stellt sich die Frage weshalb Frauen das nicht gefragt werden. Terroristen, Kommunisten und Nazis sind anscheinend durch ihren Status als solche zwangs de-emanzipiert.
Nun gut, von diesen amysanten Formularen hat wahrscheinlich jeder schonmal was gehört. Aber ich musste zusätzlich noch Beweise dafür mitbringen, dass ich finanziell über die Runden komme, dass ich eine Unterkunft in den USA habe und dass ich acuh ja wieder das Land irgendwann verlasse.
Naja ich habe mir dafür einen Brief von Evan schicken lassen in welchem er erklärte, mich durchzufüttern. Naja und für das andere mussten Kontoauszug und Kopie von der UNI-Bewerbung reichen.
Nun war es endlich soweit. Ich sollte am Rosenmontag
um 8:00Uhr morgens bei der Amerikanschen Botschaft
sein, bei welcher ich den Interviewtermin hatte. Ehrlich gesagt, weiß ich garnicht, ob das wirklich die Botschaft war, weil die ja eigentlich irgendwo beim Brandenburger Tor sein sollte. Ich war aber am Ende von der U3 - kurz vor Onkel Toms Hütte.
Jedenfalls kam ich pünktlich, wenn auch müde und ein wenig verkatert da an. Der indisch aussehende Pförtner machte mich erstmal darauf aufmerksam, dass ich mit Rucksack und elektrischen Geräten nicht in die Botschaft rein dürfe. Auf Nachfrage, wo ich meine Sachen lassen köntne, verwieß er mich auf die zwei Polizisten vor dem Eingang, welche vermutlich in ihrer ganzen Allmacht und Zweisamkeit die gesamte Botschaft beschützen sollten.
Dass die beiden ihre Aufgabe ebenso lächerlich wie langweilig fanden beweist mein darauf folgendes Gespräch mit ihnen. Denn auf meine Frage hin, ob er wüsste wo ich meine Sachen lassen kann, meinte der größere von beiden, auf mich hinstolzierend: "Also wenn man mit der Polizei spricht, nimmt man gefälligst die Kaputze runter und nimmt die Hände aus den Taschen". Ich, sichtlich verdutzt und durch meine Miemik deutlich Abneigung zeigend, nehme meine Hände aus den Taschen. Als ich meine Kaputze vom Kopf nehmen wollte, schlägt mir der Bulle auf die Schulter und lacht mich mit den Worten an: "Mensch, war doch nur ein Spaß, haha!". In mir drängten sich wohl folgende Gedanken: "Hahaha, ja ganz toll, Bulle! Ich hab 3 Stunden geschlafen und mein Kopf schreit nach Asperin, da brauch ich keinen Clown, der sich für was besseres hält, nur weil er eine Uniform trägt!".
Naja, wie dem auch sei, ich ging über die Straße zum Chinamann, der dort seinen Blumenladen aufgeschalgen hat und wohl schon öfter vom Bullen gegenüber als temporäre Aufbewahrunsbox empfohlen wurde. Gegen einen Euro durfte ich nun dort meine Sachen lassen.
Als ich nun wieder an die Pforte komme, stehen dort nun eine Hand voll Menschen, die wohl auch einen Visums-Termin haben und warten darauf, dass der Pförtner sie reinlässt. Selbiger steht einfach nur hinter der Glastür und durchläuchtet mit aufmerksamen Augen den Haufen, der widerum nur ihn anschaut und sich fragt, was er da wohl mache und warum er uns nicht rein ließe. Boar echt der stand da als ob er ein kleiner Gott wäre, der die Macht der Elektrotür inne hat. Das warten wurde durch meinen Lieblingsbullen unterbrochen. Er stellte sich vor uns und fragte, wer denn alles ein Visum beantragt hätte. Alle meldeten sich. Tja. WAS wollen die sonst dort? Nach einem kurzen Innehalten sagte er dann, dass keine weiteren Visumsanträge heute bearbeitet werden könnten, weil die Botschaft zu überfüllt sei. Die Gruppe Menschen stöhnte auf, und alle schauten sich mit dem wahrscheinlich selben Gedanken an: "Alter, es ist 8Uhr morgens, welche gott verblödete Organisation ist denn jetzt schon überfüllt??? - tolles Amerika". Doch es sollte alles anders kommen:
Mein Lieblingsbulle hat sich seinen Status gleich rätlich verdient! Denn er tritt eine Stufe herunter richtung Menschengruppe und sagt: "Haha, war nur ein Schärz, höhö". Nun ging ich davon aus, dass wieder alle nur das
selbe denken, nämlich "ALTER? DU DUMMER BULLE, FINDEST DU DAS WITZIG??? WAS DENKST DU WER DU BIST?" Aber ich habe doch wirklich falsch gedacht.
Die Leute lachten über diesen blöden Scheiß und ein Yuppie-Bängel dreht sich doch um und sagt "Hoho, ein Spaß zum Rosenmontag! GELUNGEN! Ja wirklich GELUNGEN!" - WAAAAS?
Nun gut. Von der Menschheit mal wieder entteuscht ließ uns der Pförtner nun doch in durch die Glastür, aber erst nachdem er uns rechts und links neben dieser in Reihe aufstellen ließ, sodass wir eine Gasse bildeten - für eine Amerikanerin, die aus der einen Tür der Botschaft raus - und durch unsere Tür in die Botschaft reinlief.
Eine komische Situation, in der ich mich doch recht zweitklassifiziert und herumkommandiert fühlte. Ebenso die Machtlosigkeit, weil der Pförtner ja schon eindeutig seine Macht über die Tür demonstrierte und man wollte sich nicht beschweren, weil man Angst hatte, dass man in die Botschaft nicht wieder reinkönne.
Nunja im Pförtnerhäuschen kam ich dann zu einem Schalter, der, zu meinem Erstaunen leer war. Nach ein paar Sekunden des Wartens lief dann ein Amerikaner zum Tresen, der nicht hätte besser in ein Klischee passen können. Fett, riesig, pechschwarze Haut und alles in allem mehr großer Affe als Mensch. (ich weiß, dass das total oberflächlich war und das mit der pechschwarzen Haut könnte man mir sogar als rassistisch anrechnen, aber mein erster Eindruck war nur: Boar man ja, DAS ist ein Amerikaner). Lustigerweise hatte er eine Kaffeekanne in der Hand die aber in seinen Riesenpranken doch eher winzig ausschaute. Nach deutlicher Mühe nahm er dann doch in seinem Bürosessel hinter dem Tresenfenster platz und nuschelte irgendwas. Ich verstand nur "passport". Naja, ich gab also meinen Reisepass. Anschließend nuschelter er irgendwas anderes was nun wirklich nicht verständlich war. wenn ich es nicht gewusst hätte, wäre ich niemals darauf gekommen, dass er englisch gesprochen hatte. Ich nur "sorry??". Er wiederholte sein Nuscheln. Ich wieder nur "sorry??". Das ganze passierte noch einmal bis dann der indisch aussehende Pförtner auf deutsch zu mir meinte "Man ey, sag ihm einfach wann du deinen Interviewtermin hast.". Deutlich angepisst sagte ich "8 o clock" und bekam meinen Reisepass wieder. Danach musste ich durch einen Metalldetektor, musste dann meinen Gürtel ausziehen und nochmal durch. Dann wurden der Inhalt meiner Taschen untersucht und mein Fahrrad-5Kant-Schlüssel, den ich eigentlich nur noch besitze, weil man damit gut Bier öffnen kann, wurde als verdächtig eingestuft und ich musst ihn zusammen mit dem restlichen Schlüsselbund dort lassen.
Nunja aber endlich war es so weit: ich war drin!
Ich und die anderen gingen durch eine große Glastür
zu einem Herren, der glücklicherweise Oxford-ähnliches
Englisch sprach und ich nicht jedes Mal "sorry" rufen musste, wenn er mir irgendwas vermitteln wollte.
Der Typ erklärte uns dann was wir im Folgenden zu tun hatten. Das bestand vor allem daraus, die wichtigsten Formulare herauszusuchen und aus den Folien zu nehmen. (Man wird vorher gebeten ALLE Dokumente in Klarsichtfolien mitzubringen - nur um sie dort wieder auszupacken). Danach darf man sich in einer Reihe anstellen. Am Ende dieser war eine kleine, dickliche Frau die mich irgendwie an die Krankenschwestern in der Rettungsstelle erinnerte. Diese hat dann die super Aufgabe, die Dokumente auf Vollständigkeit zu überprüfen. Mir gab sie noch den Hinweis, dass mein Foto möglicherweise nicht zugelassen werden könnte, weil es zu hell wäre. Das stellte sich dann allerdings als irrelewandt heraus. So, nach dem Typen und der Tante gabs dann wieder ne neue Schlange in die ich mich nun einreihte - diesmal ein wenig länger als die vorherigen. Nach einiger Zeit kam ich ans Ziel: Ein Schalter, an welcher eine deutsche, junge Frau - fast Mädchen saß. Ich schätze mal eine Schulpraktikantin oder sowas. Ich sag nur HC. Nunja, diese schaut dann auch nochmal die Dokumente durch und tippt irgendwas in den PC. Danach muss man alle Dokumente sammt Reisepass abgeben. Dafür bekommt man dann eine tolle Infobroschüre. Nunja. Nach all dem Anstehen setzte ich mich nun zu den anderen, die auch nur darauf warteten, dass man zum Visums-Interview aufgerufen wird. Das Aufrufen veranlasst einen immer zum Schmunzeln, weil der amerikanische Akzent des Aufrufenden so unglaublich stark ausgeprägt ist, dass man immer raten muss, ob der eigene Name nun wirklich genannt wurde, oder ob man sich verhört hat. Oft fragten die Leute in die Runde, was die anderen verstanden hätten.
Nun, während des wartens hatte ich dann auch Zeit, mir ausgiebig den Raum anzuschauen, in dem ich da saß. UND: boar, ein Abbild der Amerikaflagge: Blauer Teppich und blaue Schilder, rote Wände und weiße Säulen. Ein Portrait von Obama habe ich leider nicht entdecken können. Leider hat der Kaffeeautomat nicht funktioniert, hrm. Nun wurde ich aufgerufen - welch Freude!
Nachdem ich mich setzte, wurde ich erstmal aufgefordert, meine Finger auf einen Bildschirm zu legen. Die Schweine haben doch tatsächlich ALLE meine Fingerabdrücke gescannt!! Und mir kann niemand erzählen, dass sämtliche Regierungen der Welt die jetzt nicht auch haben - na toll! Danach wurde ich gefragt warum ich in die USA will und wie lange und blablabla und woher ich Evan kenne und was ich danach machen will. Der Schluss war das Lustigste: Es fühlte sich eigentlich so an als würde er mich noch tausend Sachen fragen wollen, als ich meinte, ich würde anschließend in Berlin Medizin studieren wollen. Nach dieser Äußerung sagte er sofort: Okay, ihr Antrag wurde soebend genähmigt. Bääm!
Tjo, einigermaßen verwundert, schlenderte ich hinaus, holte noch meinen Schlüsselbund und war nun wieder auf deutschem Boden. Komisch - fühlte sich nicht groß anders an. Tja keine 3 Tage später kam per Post mein Reisepass mit dem darin eingearbeitetem Visum.
Wenn also einer von euch in die USA möchte und vor hat, dort länger als 90 Tage zu verweilen: Viel Spaß!
stepuh | 14. März 09 | 0 Kommentare
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